Mein erstes Dirndl
„Das ist für dich.“
Ich sah meine Cousine Lara an. Dann sah ich auf das Kleid in ihren Händen.
Es war rot.
Und es war eindeutig ein Dirndl.
„Für mich?“
„Ja.“ Lara grinste. „Ich habe es extra für dich gekauft.“
Ich nahm es vorsichtig entgegen. Das Oberteil war rot mit kleinen weißen Mustern. Dazu gehörten eine weiße Bluse und eine Schürze.
„Aber ich bin aus Berlin“, sagte ich.
„Das weiß ich.“
„Und ich war noch nie auf dem Oktoberfest.“
„Das ändert sich morgen.“
Ich musste lachen. Trotzdem ging ich ins Badezimmer und probierte das Dirndl an.
Als ich wieder herauskam, sagte Lara zunächst nichts.
„Was?“
„Nichts.“
„Du guckst so.“
„Du siehst richtig süß aus.“
Ich betrachtete mich im Spiegel. Das war tatsächlich ich? Irgendwie sah ich plötzlich älter aus. Fast wie jemand, der genau wusste, was er tat.
„Und?“, fragte Lara.
Ich drehte mich einmal im Kreis.
„Gar nicht schlecht.“
„Siehst du!“
Am nächsten Nachmittag gingen wir auf die Wiesn.
Schon vor dem Eingang waren überall Menschen in Dirndln und Lederhosen. Ich fühlte mich plötzlich ziemlich auffällig.
„Lara?“
„Hm?“
„Gucken die alle so?“
„Nein.“
„Gut.“
„Die meisten tragen selbst Tracht.“
Das beruhigte mich nicht wirklich.
Wir trafen dort noch zwei Freunde von Lara. Einer hieß Jonas.
„Das ist meine Cousine Emma aus Berlin“, stellte Lara mich vor. „Emma, das sind Jonas und Felix.“
„Hi“, sagte ich.
„Hi“, sagte Jonas und lächelte.
Er sah eigentlich ganz nett aus. Und er war ungefähr in unserem Alter.
Wir gingen ein Stück zusammen, bis Lara plötzlich auf meine Schürze zeigte.
„Moment mal. Deine Schleife!“
Ich sah nach unten.
„Was ist damit?“
„Du hast sie links.“
„Ja. Und?“
Lara sah mich an, als hätte ich gerade etwas ziemlich Dummes gesagt.
„Weißt du nicht, was das bedeutet?“
„Nein.“
„Eine Schleife links bedeutet, dass du Single bist.“
Ich starrte sie an.
„Bitte was?“
Felix grinste. Jonas dagegen wurde plötzlich auffällig still.
„Und rechts?“, fragte ich.
„Vergeben.“
Ich sah wieder auf meine Schleife.
„Das ist doch verrückt. Woher soll ich das wissen? Ich bin aus Berlin!“
Lara lachte.
„Jetzt weißt du es ja.“
Ich wollte gerade die Schleife auf die andere Seite binden, als Jonas sagte:
„Lass sie ruhig links.“
Ich sah ihn an.
„Warum?“
Er zuckte mit den Schultern.
„Na ja … jetzt weiß ich wenigstens, dass du Single bist.“
Für einen Moment sagte niemand etwas.
Dann wurde Jonas selbst rot.
„Also … ich meine … falls du das wissen möchtest.“
Lara grinste mich an.
Ich spürte, wie mir ebenfalls das Gesicht warm wurde.
„Aha“, sagte ich.
Jonas lächelte.
„Nur damit es keine Missverständnisse gibt.“
„Welche Missverständnisse?“
„Keine Ahnung“, sagte er schnell. „Ich rede gerade ziemlich viel.“
Ich musste lachen.
„Das stimmt.“
Und irgendwie fand ich ihn plötzlich ziemlich nett.
Eine Weile später hatte ich allerdings ein ganz anderes Problem.
„Lara?“
„Ja?“
„Ich muss mal.“
„Dann geh.“
Wir fanden die Toiletten.
Und davor stand eine Schlange.
Eine endlose Schlange.
Ich sah nach vorne.
Dann nach hinten.
„Das dauert doch eine Stunde!“
Ein Mädchen vor mir drehte sich um und grinste.
„Willkommen auf der Wiesn.“
Ich seufzte.
„Ich hätte zu Hause gehen sollen.“
„Zu spät“, sagte das Mädchen.
Nach gefühlten hundert Jahren war ich endlich an der Reihe.
Ich stellte fest, dass mir niemand erklärt hatte, was man mit einem Dirndl eigentlich auf der Toilette machte.
Ich versuchte, den Rock irgendwie hochzuhalten.
„Nicht auf den Boden!“, rief das Mädchen aus der Nachbarkabine.
„Ich versuche es!“
Sie lachte.
„Warte, ich zeig dir einen Trick.“
Und tatsächlich: Mit einer Hand die Schürze, mit der anderen den Rock – plötzlich funktionierte es.
„Danke!“
„Kein Problem. Beim ersten Dirndl muss man alles lernen.“
Als ich wieder herauskam, wartete Lara schon auf mich.
„Na?“
„Ich habe heute mehr über Dirndl gelernt als in meinem ganzen Leben.“
„Und?“
Ich sah an mir herunter.
Das rote Kleid, die weiße Bluse, die Schürze.
Dann musste ich grinsen.
„Ich glaube, ich mag es.“
Lara hakte sich bei mir ein.
„Dann hast du ja Glück.“
„Warum?“
„Weil es dir gehört.“
Ich blieb kurz stehen.
Stimmt.
Das Dirndl war mein Geschenk.
Und plötzlich war es mir auch völlig egal, dass ich noch hundert Dinge über bayerische Tracht nicht wusste.
Ich würde es wieder anziehen.
Nur die Schleife würde ich vorher noch einmal kontrollieren.
Als wir zurück zu Jonas und Felix gingen, sah ich Jonas schon von Weitem.
Er lächelte.
Ich lächelte zurück.
Und diesmal wusste ich ganz genau, warum meine Schleife links war.
Klar 😊 Hier sind nur die kurzen Texte für die einzelnen Bildszenen, damit du sie anschließend ins Ido oder Interlingue übersetzen kannst:
Bild 1
„Das ist für dich!“
Bild 2
„Ich soll das wirklich anziehen?“
Bild 3
„Gar nicht schlecht!“
Bild 4
„Du siehst richtig süß aus!“
Bild 5
„Ich bin aus Berlin und war noch nie auf dem Oktoberfest.“
Bild 6
„Moment mal. Deine Schleife!“
Bild 7
„Weißt du nicht, was das bedeutet?“
Bild 8
„Eine Schleife links bedeutet, dass du Single bist.“
Bild 9
„Und rechts?“
Bild 10
„Vergeben.“
Bild 11
„Lass sie ruhig links.“
Bild 12
„Jetzt weiß ich wenigstens, dass du Single bist.“
Bild 13
„Oh … ähm …“
Bild 14
„Ich muss mal!“
Bild 15
„Willkommen auf der Wiesn!“
Bild 16
„Ich habe heute mehr über Dirndl gelernt als in meinem ganzen Leben.“
Bild 17
„Ich glaube, ich mag es.“
Bild 18
„Dann hast du ja Glück. Es gehört dir.“
Bild 19
„Ich würde es wieder anziehen.“
Bild 20
„Nur die Schleife würde ich vorher noch einmal kontrollieren.“ 😄
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen